cmb-Saisonstart mit dem Popstar der Orgelmusik
Nicht bloss für Männer und alte Damen
Dies ist bloss eine der vielen Aktionen, mit denen Anna Lapwood junge Musikerinnen in den UK dazu ermuntert, sich zur Organistin ausbilden zu lassen: „Ich fühle mich dafür verantwortlich, jungen Mädchen die Möglichkeit zu geben, zu erkennen, dass sie auch Organistin werden können. Ich glaube, der Grund dafür, dass sie es nicht tun, ist, dass sie nicht einmal darüber nachdenken. Sie sehen keine sichtbaren weiblichen Vorbilder, die Orgel spielen. Diese wird eher als Instrument für einen bestimmten Typ Mann oder eine kleine alte Dame angesehen, und das ist nichts, was ein kleines Mädchen anstreben würde.“
Steile Karriere
Wie das eben anders geht, hat Lapwood selber vorgelebt. Sie studierte am Magdalen College in Oxford Orgel und erhielt dort als erste Frau in der Geschichte des Colleges ein Orgelstipendium. Von da an ging ihre Karriere ab: Bereits 2016 wurde die Organistin mit Jahrgang 1995 „Director of Music“ des Pembroke College in Cambridge und damit die bisher jüngste Person in diesem Amt an einem Oxbridge-College. Als Titularorganistin der Royal Albert Hall spielt Anna Lapwood auch Klavier, Geige, Harfe und ja, Lapwood performt auch in der Sparte Gesang. So gründete sie etwa 2018 den Pembroke College Girls’ Choir für Mädchen zwischen elf und 18 Jahren.

Popstar der klassischen Musik
Inzwischen hat Anna Lapwood mit ihrer Musikalität, ihrem Charme und ihrem Engagement für das Aufbrechen von Geschlechtergrenzen in der Musikwelt eine Zuhörerschaft gewonnen, die weit über die etablierten Klassik-Liebhaber hinausreicht, ist zu einem eigentlichen Popstar der klassischen Musik geworden. Sie ist präsent in Kirchen, Konzertsälen, Radio und Fernsehen, brillierte 2025 an den BBC-Proms (übrigens mit Saint-Saëns‘ Orgelsinfonie, die sie auch mit dem cmb-Orchester spielen wird) und fand sich vergangenes Jahr auf der Sunday Times-Liste der 30 wichtigsten unter 30jährigen Personen des Landes. Nicht verwunderlich, dass Anna Lapwood inzwischen auf TikTok weltweit drei Millionen Follower hat. Dies erklärt wohl auch den grossen Andrang, den es am vergangenen 15. Juli bei ihrem Auftritt im Kölner Dom gab, bei dem über 10‘000 Lapwood-Fans eine kilometerlange Warteschlange vor dem Dom bildeten. Da der Dom für bloss etwa 3800 Personen Platz bietet, musste das Konzert am selben Abend zweimal wiederholt werden.
Zeitgenössisches an der Orgel
Dabei verlässt Lapwood oft bewusst hergebrachte Trampelpfade, ist offen auch für zeitgenössische Orgelmusik etwa von Max Richter, Kristina Arakelyan oder Olivia Belli. Letztere komponierte eigens für Anna Lapwood das Orgelstück Limina Luminis das sie uns zum cmb-Saisonstart am kommenden 25 September spielen wird. Die Komposition ist schwierig, für Interpretin wie für Zuhörer. Um das sieben Minuten dauernde Werk während des Konzerts richtig geniessen zu können, lohnt es vielleicht, sich erst mal auf YouTube in das Musikstück hineinzuhören. Unter
https://www.youtube.com/watch?v=jA5_h9cK8ck&list=RDjA5_h9cK8ck&start_
kann man sich die professionelle Sony-Aufnahme mit Lapwood anhören, oder unter
https://www.youtube.com/watch?v=cie56tLjmhU&list=RDcie56tLjmhU&start_radio=1 radio=1
Anna Lapwood von der ersten Reihe aus beim „Orgel schlagen“ zuschauen. Wirklich sehr eindrücklich auch der körperliche Einsatz der jungen Organistin.
In Wohlklang wird dann das Konzert vom 25. September 2026 schliessen: mit Camille Saint-Saëns‘ „Orgelsinfonie“. Bei ihr handelt es sich streng genommen um einen Etikettenschwindel, spielt die Orgel doch in dieser Komposition leider bloss eine Nebenrolle. Aber zum Glück haben wir ja vorgängig eindrücklich hören und sehen können, was Anna Lapwood auf der grossen Casino-Orgel alles zu leisten vermag.
Ulrich Goetz
Am 25. September 2026 tritt Anna Lapwood gemeinsam mit dem cmb im Stadtcasino Basel auf.
Hier finden Sie alle Informationen zum Konzert.