Das cmb verleiht Karrieren Flügel
Das Preisträgerkonzert 2025
In lebhafter Erinnerung bleibt dem Schreibenden das Preisträgerkonzert 2025. Etwa die Interpretation von Schumanns Cello-Konzert durch die 2004 in Kanada geborene Luka Coetzee. Im Ohr hatte ich die herben und schwermütigen Interpretationen von Casals und Rostropovich. Da hat uns die junge Cellistin einen ganz anderen Schumann vorgespielt, angenehm differenziert und romantisch-lieblich musiziert. Ein wahrer Genuss.
Dem stand der in der Schweiz lebende Russe Leonid Surkow (er ist jetzt Solo-Oboist beim Musikkollegium Winterthur) mit seiner quirligen Darbietung von Strauss' Oboenkonzert nicht nach, das für mich eine Premiere im Konzertsaal war. Eben auch das Verdienst des cmb, immer mal wieder ausgetretene Pfade zu verlassen und weniger oft gespielte Werke in den Konzertsaal zu bringen.
Der aus der Ukraine stammende Dmytro Udovynchenko schliesslich hat mich mit Prokofiews zweitem Violinkonzert versöhnt. Dieses gehört zwar nicht zu meinen Lieblingswerken (in meinen Ohren zu viel Klamauk und kompositorisch nicht immer überzeugend). Doch verwandelte mich der junge Geiger mit seiner meisterhaften Interpretation des schwierigen Parts in dieser Beziehung vom Saulus zum Paulus.
Gross herausgekommen
Wie bereits erwähnt, sind viele Musikerinnen und Musiker nach ihrem Auftritt im cmb-Konzert gross herausgekommen. Hier eine kleine und unvollständige Auswahl:
- Der Hornist Félix Dervaux etwa war 2017 am cmb-Preisträgerkonzert aufgetreten und ist seit 2024 Hauptfachdozent für Horn an der Zürcher Hochschule der Künste.
- Juliana Koch präsentierte sich 2018 in Basel und spielt inzwischen als Solo-Oboistin im London Symphony Orchestra unter Simon Rattle.
- Die Geigerin Marina Grauman trat 2019 mit dem cmb auf und wurde gleich für die Saison 2019/20 zur ersten Konzertmeisterin des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin berufen.
- Als besonders erfolgreichen Jahrgang erwiesen sich die vier am cmb-Preisträgerkonzert 2000 vorgestellten Jung-Stars: Der Cellist Friedrich Thiele wurde das Jahr darauf Registerführer der Violoncelli in der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Andrea Cellacchi ist seit 2022 Solofagottist des Concertgebouw Orchesters. Der Flötist Loïc Schneider spielt seit 2009 im Orchestre de la Suisse Romande in Genf, und der Schlagzeuger Kai Strobel ist Professor geworden für Percussion am Conservatorio della Svizzera Italiana in Lugano.
- Die in Basel geborene Violinistin Anna Naomi Schultsz musizierte 2021 mit dem cmb und ist seit 2019 Konzertmeisterin im Gstaad Festival Youth Orchestra. Auch der im selben Konzert auftretende Hornist Pascal Deuber wurde in unserer Region geboren, nämlich in Rheinfelden. Er ist seit 2019 Solohornist beim Bayerischen Staatsorchesters an der Bayerischen Staatsoper.
«Olympische Spiele der Musik»
Die Aufzählung könnte endlos fortgesetzt werden, sie untermauert jedenfalls das Urteil des Dirigenten Simon Rattle über den ARD- Musikwettbewerb: Dies seien die «Olympischen Spiele der Musik», meint er. Tatsächlich war für viele heute weltberühmte Musiker und Solistinnen die Auszeichnung beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD das Sprungbrett für die grosse Karriere, unter vielen anderen etwa Iwan Rebroff (1960), Heinz Holliger (1961), Christoph Eschenbach (1962), Maurice André (1963), Jessye Norman (1968), Hansjörg Schellenberger (1972), Thomas Quasthoff (1988) und Sol Gabetta (1998), um nur einige zu nennen. Unter den Preisträgern aus unserer Region figurieren etwa auch der Organist Martin Sander (1987) und der Sänger Oliver Widmer (1990).
Gegründet im Jahr 1952
Der Internationale Musikwettbewerb der ARD wurde im Jahr 1952 von den Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland gegründet, steht unter der Federführung des Bayerischen Rundfunks in München und findet stets im September statt. Er ist mittlerweile weltweit einer der renommiertesten und grössten Wettbewerbe seiner Art.
Der Wettbewerb kann vor Ort und digital per Livestream auf dem YouTube-Kanal ARD Klassik von den 2. Runden bis zu den Preisträgerkonzerten verfolgt werden.
2026: Spektakuläre Fächerkombination
Zum 75-Jahr-Jubiläum bietet der Internationale ARD-Musikwettbewerb 2026 eine spektakuläre Fächerkombination: Musizierende in vier Disziplinen, nämlich in den Fächern Fagott, Schlagzeug, Streichquartett und Orgel (erstmals sei 15 Jahren wieder einmal) werden ab dem 30. August ihre Kräfte messen.
Anmeldefrist ist Ende März. Im Prinzip kann weltweit jede Frau und jedermann am Wettbewerb teilnehmen, sofern sie oder er das 30. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. «Ja, ausschlaggebend ist nur das Alter», schreibt Elisabeth Kozik, die organisatorische Leiterin des Wettbewerbs, auf Anfrage. «Nur für noch Studierende gilt, dass sie die Zustimmung der Lehrerin oder des Lehrers vorweisen müssen.»
Das tönt verlockend für angehende Jung-Stars. Bewerbungsschluss ist wie erwähnt der 31. März 2025. Aber Achtung: Die Konkurrenz ist gross. «Am Wettbewerb 2025 haben beispielsweise 142 junge Leute teilgenommen, aber bloss deren neun haben einen Hauptpreis erhalten, fünf weitere mussten sich mit Sonderpreisen zufriedengeben», so Elisabeth Kozik.
Das cmb hört mit
Zwischen dem 30. August und dem 13. September können die Preis-Aspiranten mit ihren Auftritten zeigen, was sie können. Bewertet werden sie durch Fachleute von internationalem Ruf, ohne Beachtung jeglicher ethnischen, ideologischen, politischen oder sprachlichen Überlegungen. Die Entscheide der Jury können nicht angefochten werden.
Vom 16. bis 18. September findet dann mit den Preisträgerkonzerten das grosse Finale statt. cmb-Chefdirigent Jan Schultsz und der Präsident werden sich das auch dieses Jahr wieder in München anhören und die besten Finalisten nach Basel einladen. Wir dürfen jetzt schon gespannt sein auf das cmb-Preisträgerkonzert 2027. Vielleicht werden wir bei dieser Gelegenheit sogar wieder einmal die neue Casino-Orgel solistisch hören können?
Ulrich Goetz

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