Orchester
Chefdirigent und künstlerischer Leiter
Jan Schultsz
Jan Schultsz startet 2025/26 in seine zweite Saison als Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Collegium Musicum Basel. Das Orchester lernte er bereits in seinen Studententagen als junger Hornist kennen – heute prägt er dessen künstlerische Ausrichtung massgeblich vom Dirigentenpult aus.
Ein Interview mit Jan Schultsz:
Lea Vaterlaus: Jan Schultsz, welche besonderen Momente aus deiner ersten Saison mit dem Collegium Musicum Basel sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Jan Schultsz: Für mich waren alle drei Projekte meiner ersten Saison prägende Erlebnisse. Vom Open-Air-Konzert auf dem Barfüsserplatz mit seinem grossartigen Publikum bis hin zu Tschaikowskys 1. Sinfonie, die ich mir seit Langem gewünscht hatte zu dirigieren. Besonders berührt hat mich natürlich das Hornkonzert im März, bei dem über 70 Hornistinnen und Hornisten gemeinsam mit dem German Hornsound Quartett auf der Bühne standen – das war als ehemaliger Hornist ein echtes Highlight für mich.
LV: Wie möchtest du deine künstlerische Vision künftig weiterentwickeln?
JS: Ich bin sehr glücklich darüber, wie schnell es gelungen ist, eine gemeinsame Klangsprache mit dem Orchester zu finden. Die Energie und der Fokus, die wir im Konzert auf die Bühne bringen, entstehen in den Proben – das ist alles andere als selbstverständlich, und ich schätze das sehr. Wir werden diesen Weg fortsetzen und weiterhin intensiv an unserer gemeinsamen Richtung arbeiten. Ein Orchester ist in gewisser Weise wie eine Fussballmannschaft: Nur wenn alle Beteiligten wissen, was auf sie zukommt, kann ein harmonisches Zusammenspiel entstehen. Das spüren nicht nur die Musikerinnen und Musiker, sondern auch das Publikum.
LV: Welche programmatischen Schwerpunkte setzt du in der neuen Saison? Gibt es einen roten Faden oder Themen, die dir besonders wichtig sind?
JS: Es ist mir ein Bedürfnis, dem Basler Publikum aussergewöhnliche Werke zu präsentieren, die man hier selten oder gar nicht zu hören bekommt. Nach der 1. Sinfonie von Tschaikowsky folgt nun die 2. – der Weg ist also klar vorgezeichnet. Dasselbe gilt für Schostakowitsch: Seine 1. Sinfonie ist ein bemerkenswertes Frühwerk, das seine Handschrift bereits klar erkennen lässt – und auch hier werden wir nicht bei diesem Werk stehen bleiben.
LV: Auf dem Programm stehen bedeutende sinfonische Werke von Dvořák, Mendelssohn und Schostakowitsch. Gibt es darüber hinaus auch eher unbekannte Werke oder Entdeckungen?
JS: Ja, auf jeden Fall. Der tschechische Komponist Zdeněk Fibich ist in Basel bislang kaum bekannt. Ich möchte die Tür zu seinem Schaffen öffnen – ein schönes Beispiel dafür, was unser Publikum auch in Zukunft von uns erwarten darf: Neugierde, Qualität und Entdeckungsfreude.
LV: 2026 feiert das Collegium Musicum Basel sein 75-jähriges Bestehen. Was bedeutet dieses Jubiläum für dich persönlich – und für die Zukunft des Orchesters?
JS: Teil eines der traditionsreichsten Orchester Basels zu sein, empfinde ich als grosse Ehre – zumal ich den Grossteil meines Lebens hier verbracht habe. Gleichzeitig verspüre ich eine besondere Verantwortung: Gemeinsam mit dem Orchester möchte ich mit Freude am Musizieren und mit hohem künstlerischem Anspruch zeigen, dass wir als Ensemble einen festen Platz in der Musikstadt Basel haben – heute und in Zukunft. Dazu trägt nicht zuletzt unser hervorragender Vorstand bei: Wie sich das Orchester unter der Präsidentschaft von Hans Martin Tschudi in den vergangenen Jahren positioniert hat, ist einzigartig. Passend zum Orchestergeburtstag findet nun auch der Wechsel im Präsidium statt – und wir werden den Weg der Begeisterung mit vereinten Kräften weiterverfolgen. In diesem Sinne: Danke für alles, Hans Martin Tschudi!
von Lea Vaterlaus
Curriculum Vitae:
Jan Schultsz, geboren in Amsterdam, studierte zunächst in seiner Heimatstadt Amsterdam sowie in Basel und Lausanne Horn und Klavier, spielte als Hornist in verschiedenen Orchestern (Concertgebouw Orchester Amsterdam, Concerto Köln, Freiburger Barockorchester) und trat als Pianist solistisch und als Kammermusiker auf. Anfang der 1990er Jahre bildete er sich bei Manfred Honeck, Ralf Weikert und Ilya Musin in St. Petersburg zum Dirigenten aus. Er lebt in Basel, wo er eine Professur an der Hochschule für Musik wahrnimmt.
Jan Schultsz ist international als Dirigent und Pianist tätig. Von 1999 bis 2009 das Orchestre de Chambre de Neuchâtel und ist seit 2023 Erster Gastdirigent der Pilsner Philharmonie. Gastdirigate führten ihn unter anderem zum Tonhalle-Orchester Zürich, Sinfonieorchester Basel, Hungarian Symphony Orchestra und zum Sinfonieorchester des Nationaltheaters Prag sowie als Operndirigent nach Oslo, Ungarn und Lüttich. Er arbeitete mit Künstlerinnen und Künstlern wie Khatia Buniatishvili, Renaud und Gautier Capuçon, Cecilia Bartoli, Werner Güra, Marina Viotti, Daniel Behle und Leila Schayegh. Im Jahr 2000 gründete er die Opera St. Moritz und war bis 2012 deren künstlerischer Leiter. Seit 2008 ist er Intendant des Engadin Festivals und leitet seit 2022 die Schubertiade Riehen.
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